Die Aufwärmphase – An- / Abfahrbetrieb von Asphaltanlagen

Asphaltmischanlagen werden zu Beginn jedes Produktionstages morgens zwischen 4:00 und 8:00 Uhr aus dem Kaltzustand über die Aufwärmphase angefahren und zum Betriebsschluss wieder außer Betrieb genommen.

Dazwischen läuft die Anlage abhängig von der Nachfrage in Voll- oder Teillast und/oder im Stand-by-Betrieb. Mit Start eines Anfahrvorgangs aus dem kalten Anlagenstillstand gehen nacheinander die Fördereinrichtungen für das Mineralgestein und der Saugzug in Betrieb.

Nach dem Einschalten des Trocken- und Paralleltrommelantriebs erfolgt die Zündung beider Brenner. Nach Erreichen der für das jeweilige zu erzeugende Produkt erforderlichen Mindesttemperaturen in den Trommeln schließt sich die Inbetriebnahme der Rohstoffdosierung in die Trommeln und des Mischers an. Ab diesem Zeitpunkt kann die Anlage chargenweise im Automatikbetrieb laufen.

In umgekehrter Reihenfolge geht der Abfahrvorgang vonstatten.

Das Ablaufschema der An- und Abfahrvorgänge weist an den einzelnen Anlagen je nach
Alter und Größe eines Asphaltwerks teils deutliche Unterschiede in der zeitlichen Abfolge der In-und Außerbetriebnahme von Anlagenkomponenten auf. Da noch keine Erfahrungswerte zur Emissionsentwicklung während des Anfahrprozesses vorlagen, hatte das Landesumweltamt Bayern in einem Forschungsvorhaben [LfU 2008] “Emissionsmessungen beim An- und Abfahren von Industrieanlagen“ u.a. an mehreren Asphaltmischanlagen in Bayern durchführen lassen.

Bei realen Messungen an 3 Asphaltwerken zeigte sich, dass vom Start des Saugzugs bis
zum Erreichen der geforderten Abgastemperaturen der Trocken-und Paralleltrommel ca. 25 Minuten vergingen. Aus den Aufzeichnungen der kontinuierlich erfassten Messgrößen war jedoch ein weit darüber hinaus gehendes Einschwingen in den stationären Anlagenbetrieb zu erkennen. Um die „Einschwingvorgänge“ der Anlagen voll umfänglich erfassen zu können, wurden an den 3 Anlagen die Anfahrvorgänge insgesamt über 1,5 Std. aufgezeichnet.

Während dieser Anfahrtsphasen wurden hohe Schadstoffwerte gemessen, i. B. bei der Verwendung von Recyclingasphalten (50-70%) u.a. an organischen Kohlenwasserstoffen, wobei an einer Anlage eine 1-stündige, mehr als 10-fache Überschreitung des für den Regelbetrieb gültigen Grenzwerts von 50 mg/m3 gemessen wurde.

Das An- und Abfahren der Trocken-und Paralleltrommelbrenner ging mit Konzentrationsspitzen (CO, SO2, Corg) im Abgas einher. Bei einer Anlage verursachte die Laststeigerung des Paralleltrommelbrenners auf 100 % (statt üblicherweise 80 %) eine dadurch bedingte Überhitzung des Altasphalts um mind. eine Größenordnung höhere Emissionen an persistenten organischen Verbindungen (PAK, PCB, PCDD/F) als bei den anderen Anfahruntersuchungen (PAK: 1-stelliger mg/m3-Bereich, PCB:2-stelliger ng/m3
3-Bereich, PCDD/F: 3-stelliger fg I-TEQ/m -Bereich).

Im Regelbetrieb war an dieser Anlage wegen Überlastbetrieb (Mischleistung bis zu 260
Mg/h; genehmigt: max. 200 Mg/h) Ähnliches zu beobachten. An einer Anlage verursachte ein gerissenes Gewebefiltertuch eine 3-fache Grenzwertüberschreitung der Gesamtstäube.

In der Zusammenfassung legte das LfU dar, das die Abgaskonzentrationen an PAK, PCB und PCDD/F in den Größenordnungen z.T. um mehrere 10-er Potenzen voneinander abwichen. Die bei der Asphaltherstellung emissionsrelevanten Ereignisse der Anfahrvorgänge liegen i.B. bei den Schadstoffen CO, SO2, COorg.

Fazit: Die Aufwärmphase mit den dabei freigesetzten Emissionen muss von Behörden als
Gesamt-Betriebszeit angerechnet werden. Bei der Inbetriebnahme von Asphaltwerken entstehen in der Aufwärmphase Schadstoffemissionen wie im täglichen Regelbetrieb. Je nach Größe und Alter der Anlagen werden 30- 90 Minuten für das Anfahren (i.d.R. 4:00 – 6:00 Uhr) benötigt. Danach sind alle weiteren elektrisch beheizten Anlagenteile wie u.a. Vorratssilos,Heißbecherwerke, Heißsiebe betriebsbereit.

Herausgeber der Studie: Bayerisches Landesamt für Umwelt: https://d-nb.info/989121240/34
V.i.S.d.P.: dieser Ausarbeitungen: K. Koch / Umweltnetzwerk Stand: 5 / 2022

Wichtigste Erkenntnis: der Anfahrtbetrieb muss bei den normalen Betriebszeiten zwingend mit angerechnet werden.

Dies hätte den Effekt, dass dann die GIRL Geruchswerte in Wahlstedt mit über 10 % ÜBERSCHRITTEN werden…..

Gruselig! Aber wen interessiert das von behördlicher Seite?

Es grüßt

Ihr Bürgerprotest Asphaltmischwerk Wahlstedt

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